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Die kleinste Website ist die schwerste
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Case Studies 6. Mai 2026 5 min Lesezeitvon Matthias Meyer

Die kleinste Website ist die schwerste

Für eine Cafeteria in Sa Coma haben wir eine Seite gebaut, die vier Fragen beantwortet. Warum weniger Inhalt mehr Entscheidungen bedeutet, nicht weniger.

Inhalt

Große Websites verzeihen viel. Wenn ein Abschnitt schwach ist, geht er zwischen den anderen unter. Bei einer kleinen Seite gibt es kein Unten. Jeder Abschnitt ist einer von fünf, und ein schwacher fällt sofort auf.

Für das Dito in Sa Coma haben wir so eine kleine Seite gebaut. Eine Cafeteria, Frühstück, ein Ort mit Stammgästen. Die Seite hat kein Buchungssystem, keinen Shop, kein Kundenkonto. Sie hat vier Fragen zu beantworten, und wenn sie eine davon nicht beantwortet, hat sie versagt.

Die vier Fragen#

Wer die Seite eines Cafés aufruft, will wissen: Wie sieht es da aus. Was gibt es. Wo ist das. Wann ist offen.

Das war es. Alles andere ist Beiwerk.

Deshalb ist die Seite auch so gebaut. Eine Foto-Galerie, weil bei einem Lokal das Bild die halbe Entscheidung ist. Das Tagesmenü. Ein Abschnitt mit Anfahrt und Öffnungszeiten, der genau dann auftaucht, wenn man ihn braucht, statt im Fußbereich zu verschwinden.

Was hier weggelassen wurde, ist die eigentliche Arbeit. Kein Newsletter-Popup. Keine Geschichte über die Philosophie des Hauses. Keine Bewertungs-Kacheln aus fremden Quellen. Bei einer kleinen Seite kostet jedes zusätzliche Element etwas, weil es die vier Antworten weiter nach unten schiebt.

Öffnungszeiten sind kein Text#

Ein Detail, das man auf Websites von Lokalen fast überall falsch findet: Öffnungszeiten stehen als Fließtext da. "Täglich von 8 bis 15 Uhr, montags Ruhetag." Für Menschen reicht das. Für Maschinen nicht.

Wer heute auf dem Handy nach einem Frühstück in der Nähe sucht, bekommt die Antwort aus einer Karte, aus einer Suchmaschine oder aus einem Sprachmodell. Alle drei lesen strukturierte Angaben, keine Prosa. Steht die Zeit nur als Satz da, weiß die Maschine nicht, ob gerade offen ist, und lässt das Lokal in der Antwort weg.

Deshalb liegen Öffnungszeiten, Adresse und Art des Betriebs auf dieser Seite zusätzlich als strukturierte Angabe im Quelltext. Der Besucher sieht davon nichts. Die Maschine sieht alles.

Drei Sprachen, und zwar ohne Zwischenlösung#

Sa Coma lebt vom Tourismus, und zwar von deutschem, britischem und spanischem gleichermaßen. Die Seite gibt es auf Deutsch, Englisch und Spanisch, dazu die spanischen Rechtstexte, die auf einer Seite mit spanischem Betreiber Pflicht sind.

Der übliche Fehler an dieser Stelle ist die halbe Übersetzung: Menü und Startseite dreisprachig, der Rest bleibt in einer Sprache liegen. Das rächt sich nicht sofort, sondern beim Teilen. Jemand schickt einem Freund den Link zur Karte, der Freund landet in einer Sprache, die er nicht liest, und macht zu.

Für den zweiten Standort gebaut, bevor es ihn gab#

Die interessanteste Entscheidung in diesem Projekt betrifft etwas, das es noch nicht gibt.

Die Seite ist so aufgebaut, dass ein zweiter Standort sauber dazukommen kann. Nicht als zweite Website, nicht als Unterseite, die neben der ersten steht, sondern als weiterer Eintrag in einer Struktur, die von Anfang an mit mehr als einem Ort rechnet.

Das kostet beim ersten Bau ein bisschen Nachdenken und spart später einen kompletten Umbau. Wer eine Seite für genau ein Lokal baut und zwei Jahre später ein zweites eröffnet, steht vor der Wahl zwischen einer zweiten Seite, die man doppelt pflegt, und einem Umbau, der teurer ist als der ursprüngliche Bau.

Man kann nicht jede Zukunft vorwegnehmen. Aber bei einem gut laufenden Lokal ist ein zweiter Standort keine exotische Vermutung, sondern der wahrscheinlichste nächste Schritt.

Was ich bei kleinen Seiten anders mache#

Bei einer großen Seite ist die Frage: Was kommt alles rein. Bei einer kleinen: Was fliegt raus.

Das ist die unbequemere Frage, weil jedes Element, das rausfliegt, jemandem gehört, der es sich gewünscht hat. Sie ist trotzdem die richtige. Eine Seite, auf der jeder Abschnitt etwas beantwortet, funktioniert besser als eine, auf der man suchen muss.

Matthias Meyer

Matthias Meyer

Founder & AI Director

Founder & AI Director von StudioMeyer. Baut seit über 10 Jahren Websites und KI-Systeme. Lebt seit 15 Jahren auf Mallorca und führt dort ein KI- und Designstudio: Webdesign, KI-Verbinder, KI-Systeme und eigene Modelle, dazu vier MCP-Server zum Selbstbedienen.

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