Es gibt eine Art von Schaden, die man bei einem Website-Relaunch nicht sieht, nicht misst und erst Wochen später bemerkt. Sie entsteht am Tag der Umschaltung und richtet sich still ein.
Eine Seite, die seit Jahren läuft, hat etwas aufgebaut, das man nicht mitnimmt, wenn man nur die Inhalte kopiert: ihre Adressen. Jede Unterseite hat eine, andere Leute haben darauf verlinkt, Suchmaschinen haben sie im Index. Diese Adressen sind der eigentliche Besitz. Baut man neu und vergibt neue Adressen, laufen die alten ins Leere. Keine Fehlermeldung, kein Alarm. Nur eine Kurve, die drei Wochen später abknickt.
Für Impresol Media Solutions haben wir eine gewachsene Seite neu gebaut. Ein Verlag und eine Werbeagentur in einem, entsprechend viele Inhalte.
Jede alte Adresse, von Hand zugeordnet#
Der aufwendigste Teil des Projekts war eine Liste.
Diese Liste ordnet jeder Adresse der alten Seite ihre Entsprechung auf der neuen zu. Wo es keine direkte Entsprechung gibt, zeigt sie auf die nächstbeste Seite, nicht auf die Startseite. Der Unterschied ist wichtig: Ein Besucher, der einen Artikel sucht und auf der Startseite landet, hat verloren. Er sucht nicht weiter, er geht zurück.
Bei einem Verlag wird diese Liste besonders lang, weil jedes Magazin nicht eine Adresse hat, sondern viele. Jede einzelne Innenseite jeder Ausgabe ist im Netz eine eigene Adresse. Die Liste wurde entsprechend lang.
Das ist stumpfe Arbeit. Es ist auch die Arbeit, die darüber entscheidet, ob ein Relaunch ein Fortschritt oder ein Rückschritt wird. Wir schalten seitdem keine gewachsene Seite mehr um, ohne dass diese Liste vorher steht und geprüft ist.
Magazine, die man im Browser durchblättert#
Ein Verlag, der Reisemagazine macht, hat ein Darstellungsproblem. Das Produkt ist ein Heft. Ein Heft als PDF zum Herunterladen anzubieten heißt, den Besucher aus der Seite herauszuschicken und darauf zu hoffen, dass er wiederkommt.
Deshalb liegen die Magazine als Blätter-Ansicht direkt auf der Seite. Man klickt und blättert um, wie bei einem echten Heft, ohne Download, ohne fremdes Programm.
Das ist mehr als Bequemlichkeit. Ein Heft, das im Browser läuft, hat für jede Seite eine eigene Adresse. Damit ist der Inhalt auffindbar, verlinkbar und für Suchmaschinen lesbar. Ein PDF hinter einem Download-Knopf ist für das Netz praktisch unsichtbar.
Ein Katalog ist kein Bilderraster#
Publikationen und Karten liegen in einem Katalog, und jeder Eintrag hat eine eigene Detailseite. Das ist die Entscheidung, die aufwendiger ist als die Alternative, und die einzige, die trägt.
Die Alternative wäre ein Raster mit Vorschaubildern und einem Aufklapp-Fenster. Sieht ordentlich aus, ist schnell gebaut, und hat einen Haken: Was in einem Aufklapp-Fenster steht, existiert für Suchmaschinen nicht als eigene Seite. Man kann es nicht verlinken, nicht teilen, nicht finden.
Eine eigene Seite pro Titel bedeutet dagegen: Jede Publikation kann für sich gefunden werden, mit eigenem Titel, eigener Beschreibung, eigener Adresse. Bei einem Verlag mit vielen Titeln vervielfacht das die Fläche, auf der die Seite überhaupt auffindbar ist.
Der Rest, kurz#
Dazu kommen ein Bereich für die Apps des Hauses, ein Blog, eine Wand mit Partnern und Kunden und ein KI-Chat für die Fragen, die vor einer Anfrage stehen. Die Seite gibt es auf Deutsch, Englisch und Spanisch.
Und sie hat den kompletten Maschinen-Layer, den bei uns jede Seite bekommt: strukturierte Daten, eine Klartext-Datei für Sprachmodelle, saubere Sprachauszeichnung. Bei einem Verlag zahlt sich das doppelt aus, weil ein Katalog aus Titeln und Ausgaben genau die Art von Information ist, die ein Modell gerne strukturiert liest.
Was ich jedem vor einem Relaunch sage#
Wenn eine bestehende Seite seit Jahren läuft und Besucher hat, ist der Relaunch nicht das Risiko. Die Umschaltung ist es.
Drei Dinge müssen vorher stehen: die vollständige Liste der alten Adressen, für jede davon ein Ziel, und ein Blick auf die Zahlen aus der Zeit davor, damit man nachher überhaupt vergleichen kann. Das ist unspektakulär, kostet Zeit und rettet die Arbeit von Jahren.
Der schönere neue Auftritt bringt nichts, wenn dabei die Hälfte der Leute verloren geht, die vorher den Weg kannten.
