Wenn eine Website fünf Sprachen bekommen soll, denken die meisten zuerst an die Übersetzung. Das ist der einfachste Teil. Übersetzen kann man beauftragen.
Der schwierige Teil ist alles andere. Fünf Sprachen bedeuten fünf Adressen für jede Seite, fünf Sitemap-Einträge, fünf Fassungen jeder automatischen Mail und die Frage, was passiert, wenn ein Inhalt in einer Sprache fehlt. Sie bedeuten außerdem, dass jede dieser fünf Fassungen den Suchmaschinen sagen muss, dass es die anderen vier gibt. Fehlt das, konkurrieren fünf Seiten mit fast identischem Inhalt gegeneinander, und Google entscheidet selbst, welche es zeigt.
Für Alma Balear haben wir eine Seite in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Katalanisch gebaut. Ein Maklerbüro für das ländliche Mallorca, mit zwei Büros auf der Insel.
Adressen in der Landessprache#
Eine Entscheidung, die man leicht übersieht: Wie heißen die Unterseiten in den einzelnen Sprachen?
Der bequeme Weg ist, überall dieselben englischen Wörter zu benutzen und nur die Sprachkennung davorzusetzen. Der bessere Weg ist, auch die Adresse zu übersetzen. Auf der spanischen Fassung heißt der Team-Bereich dann tatsächlich so, wie ein spanischer Besucher ihn nennen würde, auf der französischen entsprechend.
Das ist kein Detail für Puristen. Wörter in der Adresse sind ein Signal, und zwar eines der wenigen, die eine Suchmaschine ohne Interpretation lesen kann. Wer auf Französisch nach einem Maklerbüro sucht, findet eine französische Adresse schneller als eine englische mit französischem Text dahinter.
Der QR-Code, der sich als Kontakt speichert#
Der Teil dieses Projekts, an dem am meisten Arbeit hing, ist einer, den man nicht sieht.
Zum Team-Bereich der Seite gehören QR-Codes, einer pro Person. Wer so einen Code scannt, bekommt nicht eine Website angezeigt, sondern die Möglichkeit, den Kontakt direkt im Telefon zu speichern. Name, Rolle, Telefonnummer, Mailadresse, Firma. Ein Tippen, fertig.
Das klingt nach einer Standardfunktion und ist eine Falle. Das Format für digitale Visitenkarten existiert in mehreren Versionen, und Android und iPhone gehen unterschiedlich damit um. Nimmt man die neueste Fassung, klappt es auf dem einen Gerät und auf dem anderen kommt eine Datei an, mit der niemand etwas anfangen kann. Wir sind deshalb bewusst auf die ältere, breiter unterstützte Fassung gegangen. Weniger elegant, funktioniert überall.
Dazu kommt eine zweite Absicherung: Diese Codes landen auf gedrucktem Material. Papier kann man nicht aktualisieren. Ein Code, der auf eine Adresse zeigt, die es in zwei Jahren nicht mehr gibt, ist eine gedruckte Sackgasse. Deshalb liegt hinter den Codes eine Weiche, die auch dann noch etwas Sinnvolles ausliefert, wenn sich die Struktur der Seite ändert.
Ein Magazin auf einer Firmenseite#
Die Seite hat einen eigenen Magazin-Bereich mit vollwertigen Artikelseiten. Für ein Maklerbüro ist das ungewöhnlich, und es ist die wirksamste Entscheidung im ganzen Projekt.
Immobilienangebote wechseln. Ein Objekt ist verkauft, die Seite verschwindet, die Adresse ist tot. Wer eine Website nur aus Angeboten baut, baut auf Sand: Der Bestand an Seiten schrumpft und wächst, ohne dass jemals etwas stehen bleibt.
Ein Artikel über eine Region, über den Ablauf eines Kaufs, über die Unterschiede zwischen zwei Gegenden bleibt. Er wird gefunden, er wird verlinkt, er wird von Sprachmodellen gelesen, wenn jemand fragt, wo auf Mallorca man abseits der bekannten Ecken suchen sollte. Das ist die Substanz, die eine Firmenseite über die Jahre trägt.
Bilder sind bei so einer Seite das ganze Gewicht#
Eine Immobilienseite besteht praktisch aus Fotos. Editorial-Galerie, Atmosphäre, Objektbilder, Team, zwei Standorte. Das ist viel Ladung, und Ladung ist auf dem Handy Wartezeit.
Deshalb laufen die Bilder hier über einen eigenen Zwischenspeicher am Rand des Netzes. Vereinfacht gesagt: Ein Bild wird einmal in der passenden Größe erzeugt und danach von einem Server ausgeliefert, der näher am Besucher steht als der eigentliche. Wer die Seite in Palma aufruft und wer sie in Köln aufruft, bekommt beide ein Bild von nebenan.
Der Unterschied ist bei einer Seite mit fünf Bildern nicht messbar. Bei einer Seite, die von Bildern lebt, ist er der Unterschied zwischen "läuft" und "hakt".
Was fünf Sprachen kosten, wenn man sie ernst nimmt#
Ehrlich gesagt: Fünf Sprachen sind teurer als drei, und zwar nicht linear. Jeder neue Inhalt, jede neue Seite, jede Änderung an einem Rechtstext vervielfacht sich.
Der Ausweg ist, so wenig wie möglich fest zu verdrahten. Die Team-Angaben liegen an einer Stelle und werden von der Startseite, dem Team-Bereich, den QR-Seiten und den digitalen Visitenkarten gemeinsam benutzt. Ändert sich eine Rolle, ändert sie sich überall. Wäre sie viermal getippt, wären drei Stellen ab dem ersten Wechsel falsch.
Das ist die eigentliche Lehre aus einem mehrsprachigen Projekt: Nicht die Sprachen sind das Problem, sondern jede Information, die es mehr als einmal gibt.
